Freitag, 5. Dezember 2014

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Karl Lagerfeld in Salzburg oder Coco & der Liftboy

Nie hat sein "Titel" besser zu ihm gepaßt als dieses Mal. Der Kaiser hält Hof.
Karl Lagerfeld ist in Salzburg.

Seit Jahren begibt sich Kaiser Karl auf die Spuren von Coco Chanel. Dabei entstehen Sonderkollektionen für das Modehaus CHANEL. Lagerfeld führte uns hierfür bereits zehnmal kreuz und quer über den Erdball. Es ging schon nach Moskau, nach Mumbai und letztes Mal war Dallas dran. Immer ist eine kleine Anekdote aus Cocos Leben ausschlaggebend für das nächste Reiseziel.
Zur Pre-Fall-Collection 2015 mußte man gestern allerdings nur um die Ecke. Nach Salzburg. Was hatte Coco Chanel mit Salzburg am Hut? Etwas zusätzliches amusement gefällig? Dann hört und seht den Meister höchstpersönlich antworten!
Diese Zwischenkollektionen laufen alle unter dem Begriff  "Métiers d'art".
Und der Name ist Programm. Die Kreationen sind allesamt opulenter und aufwändiger als es CHANEL-Haute Couture je sein könnte. Eine einzige Hommage an alte Handwerkstraditionen. Und an die wenigen Traditionalisten, die ihr Handwerk noch beherrschen. Spitzenklöppler, Federmacher, ...
Schöne Sitte ist auch, dass Karl Lagerfeld vorab ein hübsches Filmchen realisiert.
Quasi als Appetizer zur Show. Oder als Trost für die, die beim Defilee nie dabei sein werden... schluchz...
Hier also erstmal das amuse gueule oder besser amuse œil, "Reincarnation":

Montag, 1. Dezember 2014

Augsburgs Shopping Queen die Erste oder Wenn der Bachelor beim Umbau hilft...

 
Der pinke Shopping Queen Bus in Augsburg! Endlich!!! Gesichtet wurde er Mitte September, gesendet wurde die Augsburger Staffel erstmals vor drei Wochen. Wer die Premiere der Premiere verpaßt hat, kann sich das Ganze nochmal in Gänze zu Gemüte führen. Kommenden Samstag werden die fünf Augsburger Shopping-Queen-Folgen auf VOX wiederholt.
Ich gestehe, ich hatte etwas Bammel beim Gucken der Erstaustrahlung, weiß ich doch nach 34 Jahren Anwesenheit wie es um Augsburg bestellt ist. Modisch schonmal nicht zum Besten. Normcore wohin man guckt. Streetstyle-Fotografen würden in Augsburg mangels geeigneter Motive den Hunger-Tod sterben. Im übertragenen Sinne natürlich. Und "der" Augsburger Verkäufer ist auch nicht als ein Ausbund an Freundlichkeit bekannt.
Insofern war ich schon fast überrascht, dass sich Fremdschämmomente in Grenzen hielten, vom nackten Hintern bei Burger King in der ersten Folge - vielleicht ein stiller Protest gegen Yi-Ko? - mal abgesehen.
Das Motto "Lieblingsstück – Kreiere einen neuen Look mit einem Teil aus deinem Kleiderschrank!" war gut umsetzbar , die Kandidatinnen waren im Großen und Ganzen akzeptabel:
Die erste, Lucia, wirkte zwar nicht sehr helle, aber ihr Outfit mit Fellweschde (Guido Maria Kretschmer hatte mehrfach sichtlich Spaß am Augschburger Slang) war ansich OK, wenn auch leicht themaverfehlt, da nicht neu interpretiert.
Kandidatin zwei, Plus size Bloggerin Cécile, finde ich knuffig und nicht unbedingt mainstream. Daher wunderte mich ihre Shopauswahl. Der XL-Laden kam doch etwas bieder daher. Aber wo soll man in Augsburg auch hingehen mit Größe 46/48? Offline shopping wird daher wohl eher die Ausnahme sein bei "Theodora Flipper".
Mittwoch und Donnerstag ging es eher unspektakulär weiter: Berrin hatte leider ein komplett mißglücktes Outfit (Kleid und Mantel paßten ihr nicht und die Pumps nicht zum Rest) und ein noch schlimmeres Make-Up, von Danielas Shoppingtag ist mir vor allem der Auftritt der rrrrassigen ;) Schuhverkäuferin in Erinnerung geblieben, die sich um Kopf und Kragen redete (ich sag nur: Paletten...). Herr Sailer, wo sind Sie, wenn man sie braucht?
Last but not least zu Kandidatin Jacky. Doch vorher sollten wir mal kurz die Frage klären, warum es überhaupt so lang dauerte - immerhin mehr als 500 Folgen - bis Guido Maria Kretschmer die erste Augsburgerin zur Shopping Queen krönen konnte. An fehlenden Kandidatinnen lag es nicht, an mangelnder Teilnahmebereitschaft der hiesigen Textil-Einzelhändler allerdings schon. Munkelt man. Das wäre mal wieder ganz und gar typisch für diese Stadt. Viele meinen hier, sie sind etwas ganz Besonderes. Keine Ahnung, wo diese Selbstüberschätzung herrührt. Oft fehlt es schon am mindesten. Sehr oft an Stil. Das führt dann zu abstrusen Szenen wie bei Finalkandidatin Jacky:
Erste Station ihrer Shoppingtour war das Geschäft, das eigentlich nicht fehlen darf, wenn es um Mode und Augsburg geht. Das, bei dem laut eigener Homepage-News "der" Bachelor auch gerne mal beim Umbau hilft. Niemand muß Shopping Queen kennen, aber manchmal frage ich mich schon, bereitet sich das Verkaufsteam gar nicht auf die Aufzeichnung vor oder warum schleppte die "Modeberaterin" die Kandidatin gezielt in die hochpreisige Premium-Abteilung des Ladens? Bei 500 € Gesamtgbudget vielleicht nicht die schlaueste Idee. Und als die Verkäuferin die - vor lauter farblicher Tristesse- immer länger werdende Kinnlade von Jacky bemerkte, sagte sie noch stolz - den vermeintlichen Trend voll im Blick - "Momentan ist alles schwarz". "Ja. Bei Euch!" dachte ich und wohl auch die Kandidatin. "Weil Ihr nur Schwarz geordert habt..." Da hilft nur Konsequenz: Jacky ging.
Welche Augsburgerin letztendlich von Guido Maria Kretschmer gekrönt wurde, verrate ich nicht. Soll ja noch die ein oder andere geben, für die die eigentliche TV-Wiederholungssause am Samstag eine TV-Premiere ist.
Meine persönliche "Krone" der Woche ging übrigens an den Friseursalon OLAFÉ. Was Olga Afanasev da in acht Minuten an Flechtgebilde auf Jackies Kopf zauberte, schaffen andere Friseure nicht in einer Stunde. Hut ab!
Diesen Monat kommt der pinke Bus übrigens schon wieder hierher.
Tja, wenn der Augschburger mal auf den Geschmack kommt...

Freitag, 28. November 2014

München Mord: Heimatkrimi? Nö, besser!

ZDF Neo-Schauer waren vorgestern Nacht wieder mal die ersten, die große Masse darf morgen gucken, im ZDF zur Primetime. Und sie sollte es tun. Die Hölle bin ich ist brilliant.
Nix gegen Heimatkrimis, aber das Ganze wird schon ein bißchen inflationär, oder?
Im Grunde haben wir mit dem "Tatort" das Genre je eh schon seit Jahrzehnten, aber momentan kann ich mich vor Lokalkolorit beim Kampf gegen des Verbrechen kaum mehr retten. Und wie immer, je besser etwas ankommt beim Fernsehzuschauer, desto mehr und schneller wird nachgelegt und desto mehr Schmarrn flimmert dann über die Mattscheibe. Insofern wollte ich im März gar nicht erst reingucken. Bei Wir sind die Neuen, dem ersten Teil der neuen ZDF-Serie "München Mord". Gott sei Dank hab ich's doch getan. Drei herrlich schräge Kommissare, köstliche Dialoge, eine spannende Geschichte. Und so hat man gut daran getan, das Autorenteam Eva Wehrum und Alexander Adolph auch für Teil zwei wieder ran zu lassen. Die drei Hauptfiguren können sich in Die Hölle bin ich weiter entfalten und das Ganze gibt noch mehr Sinn und macht noch mehr Spaß.

Mal abgesehen vom Heimatbezug ist Krimi und Witz ja auch so ein Ding. Meist geht bei solchen Filmen die Handlung dann zugunsten des Humors unter. Ich bin eh nullkommanull Fan der Liefers-Prahl-Tatorte. Aber mal ganz ehrlich: Die, die das mögen, interessiert die Story doch nicht wirklich, oder?
Ganz anders bei "Die Hölle bin ich". Die Geschichte ist atmosphärisch dicht genug um die Spannung des eigentlichen Kriminalfalls bis zum Schluß zu halten. Trotzdem wartet man genauso gespannt auf jedes weitere "Servus" aus dem Mund von Jörg Hartmann (herrlich contra Image besetzt!), nur um sich ein weiteres Mal vor Lachen zu kringeln, ob des Pseudo-Münchnerisch "seines" solariumgebräunten Johannes Denglers. Seines Zeichens halbseidener Immobilienschnösel und eigentlich - kicher, kicher - aus dem Schwabenländle. Oder man fiebert mit den beiden männlichen Protagonisten mit, wie das denn nun aussehen mag, wenn eine Bewährungshelferin ihre Oberweite auf dem Tisch hin- und herschiebt...
Aber all das wäre nur halb so gut ohne den Glücksgriff bei den drei Hauptdarstellern! Es gibt Schauspieler, deren Gesicht kennt man, die sind immer irgendwie präsent, aber man hat keinen Namen parat. Alexander Held ist so einer. Für mich zumindest. Dabei spielt er grandios und hier endlich mal eine Hauptrolle. Und was für eine! Bei Marcus Mittermeier ist es genau umgekehrt. Regisseur von Muxmäuschenstill (ich liiiebe diesen Film). Name bekannt, aber das Gesicht? Jetzt bin ich schlauer. Auch er spielt wunderbar lässig mit perfektem Timing: good cop, bad cop, Spielerfraubeglücker, whatever... Bernadette Heerwagen ist mir seit "Das ewige Lied" ein Begriff, allerdings auch eher aus Nebenrollen. Sie hat so etwas Unaufringliches, Echtes in ihrer Rolle als leicht unterschätzte Nichte des Polizeipräsidenten. Flierl. Angelika. Allein der Nachname birgt Kultpotential...

Donnerstag, 23. Oktober 2014

C&A setzt auf DATCHA GRUNGE

... Untertitel: make love not war
Nette Idee. "Datcha Grunge" ist übrigens der Name der aktuellen Clockhouse-Kollektion von C&A.
Dass ich mal über C&A poste, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Zu altbacken und bieder. Diese Kollektion ist aber eindeutig matrjoschka-dawaj-"würdig", sprich es gibt Folkorestil à la Osteuropa. Hübsch bestickte Blüschen und Röcke. Dazu Strick im Tapisserie-Look. Der ist aus 100 % Polyacryl, was die klassische C&A-Kundin aber glaube ich nicht schreckt. Für mich wäre das nichts, was jedoch nicht heißt, dass ich den Laden ohne Beute verlassen habe. Auf mich wartete am Grabbeltisch ein entzückendes Matrjoschka-Shirt. Zwar nicht vom Label "Datcha Grunge", aber make love not war kann ich trotzdem unterschreiben...


Samstag, 18. Oktober 2014

"Das Leben ist nichts für Feiglinge" vs. "Tage, die bleiben" ~ ein Thema und zwei Filme, die unterschiedlicher nicht sein können

"Schade, der läuft ja gar nicht mehr." Eine Aussage meinerseits ohne Seltenheitswert. Ich kann leider sehr phlegmatisch sein, was Kinobesuche angeht. Fällt ein Film dieser lästigen Bequemlichkeit mal wieder zum Opfer, bleibt mir logischerweise nur das Warten auf die DVD-Erscheinung oder die TV-Premiere. Also freute ich mich gestern über Letzteres. Das Leben ist nichts für Feiglinge lief auf arte. Wie gehen Kinder und Ehemann mit dem plötzlichen Tod der Mutter beziehungsweise des Partners um? Ich hatte mir viel versprochen. Von dem Thema, von dem Film. Doch ich bekam keinen Zugang, weder zu der Story, noch zu den Akteuren. Lag es an den vielen Nebenschauplätzen, an den zum Teil flachen Dialogen? Ganz gewiß lag es aber daran: ich verglich. Montag habe ich Tage, die bleiben im hr gesehen. Das gleiche Thema -Tod der Mutter, des Ehepartners- aber komplett anders umgesetzt. Konkret geht es in dem Film von Pia Strietmann um die wenigen Tagen zwischen dem Unfalltod der Mutter/Ehefrau und ihrer Beerdigung. Atmospärisch dicht und dadurch beklemmend realistisch und berührend bewegt sich die Geschichte auf ganz kleinem Raum. Und wirft doch große Fragen auf: Wie "geht" Trauer eigentlich? Wie schafft man es zu funktionieren, den ganzen organisatorischen Kram auf die Reihe zu kriegen, wenn man eigentlich zu nichts fähig ist? Bedarf es erst so einer Extremsituation, um familiär reinen Tisch zu machen? Dazu liefert der Film auch so manch schreiend komische Szene. Mein Favourite: Max Riemelt (Filmsohn Lars ist Jungschauspieler) mit Hape Kerkelings Berliner-Prolo-Rico-Mielke-Kleingärtner-Gedächtnis-Styling bei Barbara Salesch... Herrlich! Überhaupt, der Cast. Dass Max Riemelt, Lena Stolze (hat eigentlich noch jemand die frappierende Ähnlichkeit mit Johanna von Koczian bemerkt?) und Götz Schubert spielen können ohne dass man merkt, dass sie es tun, weiß man. Aber Mathilde Bundschuh? Nie gehört! Für mich die Entdeckung in "Tage, die bleiben". Ihre Filmfigur (Tochter Elaine) macht die größte Wandlung durch. Vom durchgeknallten pubertierenden Teenie zur Rilke-Versteherin, behält sie als einzige den Überblick, wirkt letztendlich reifer als Bruder und Vater zusammen. Beeindruckend fragil gespielt von Mathilde. Dann wäre da noch Michael Kranz als Bestatter. Eigentlich eine Nebenrolle.  "Sein" Benjamin, der vermeintliche Provinz-Heini, wird mir definitiv im Gedächtnis bleiben...
Fazit: "Tage, die bleiben" ist ganz, ganz großes Kino!!! Auch auf der Mattscheibe...

Montag, 13. Oktober 2014

"Never be afraid to stop traffic"

ist das Motto von Iris Apfel. Ute Patel-Missfeldt redet "Vom Vergnügen anders zu sein."
Beide Ladies meinen dasselbe. Beide Ladies sprechen mir aus dem Herzen. Und: Beide Ladies sind jenseits der 70.
Müßte ich mich auf eine einzige Stilikone festlegen, meine Wahl fiele ohne Zweifel auf Iris Apfel.
Der Begriff Statement-Jewellry müßte für sie erfunden werden, gäbe es ihn nicht schon. Keiner kombiniert Unmengen von Modeschmuck in so nonchalanter Weise wie die 93 (!)-jährige New Yorkerin. Die vor laaanger Zeit mal Interior-Designerin war. Mittlerweile kann sie sich vor Kreativ-Anfragen jeglicher Art nicht mehr retten und macht mal eben Schuhmode. Oder gibt eine Brillenkollektion raus. Naheliegend. Ist doch das schwarze riesige Wagenrad auf Iris Apfels Nase ihr Markenzeichen schlechthin. Seit letzter Woche ist sie nun Testimonial für Other Stories, meinem Lieblingsableger aus dem Schweden-Konzern namens H&M. Und sie beweist mal wieder, dass Mode und Stil eindeutig keine Fragen des Alters sind, ein blaues Printkleid eine 25-Jährige kleidet, aber eben auch eine fast Hundertjährige. Kommt halt auf die Ausstrahlung und die innere Einstellung an.


 © Ari Seth Cohen for Other Stories

Aber man muß nicht unbedingt über den großen Teich. 50 Kilometer nördlich von Augsburg - in Neuburg an der Donau- wohnt eine nicht minder kreative Künstlerin mit Hang zum Außergewöhnlichen: Ute Patel-Missfeldt. Malerin. Karikaturistin (für mich persönlich das weibliche Pendant zu Manfred Deix.
Ihre Weibsbilder! Herrlich!!!). Dozentin. Buchautorin. Opernintendantin. Modesignerin. Organisatorin der weltgrößten Hutmesse, etc. Und das mit dem traffic stop könnte sich in Neuburg durchaus schon ereignet haben. Riesige Hüte und handbemalte Seidenroben sind halt nicht alltäglich in der Provinz. Die gebürtige Bremerhavenerin Ute Patel-Missfeldt ist nicht zu übersehen und leistet fleißig Überzeugungsarbeit contra Mainstream. Motto:
"Die Normalität ist eine gepflasterte Straße.
Man kann gut auf ihr gehen, doch es wachsen keine Blumen auf ihr."*
Der BR drehte vor einigen Jahren die wunderbare Reportage Vom Vergnügen anders zu sein über die Künstlerin im Rahmen der Reihe "Lebenslinien". Gerade erschien die gleichnamige Biografie.
Ich habe sie in einem Tag verschlungen. Absolut lesenswert!



Iris Apfel und Ute Patel-Missfeldt beweisen mal wieder, dass Modebewußtsein nichts mit Oberflächlichkeit  zu tun hat. Gerade in Deutschland wird modisch gekleideten bzw. interessierten Menschen gerne mal unterstellt, nix in der Birne zu haben. Man wird skeptisch beäugt. Im Umkehrschluss bleibt Frau lieber underdressed, damit andere ja nicht denken, man hätte sonst nichts auf dem Kasten. Mode gehört hierzulande leider nicht zum geschätzten Kulturgut. Ganz anders in Frankreich. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt...
Und dann ist natürlich noch die Sache mit dem Alter. Die Angst, unsichtbar zu sein, nicht mehr wahrgenommen zu werden. Eine 73- und eine 93-Jährige machen vor, wie es geht. Wer gerne noch mehr aufmunternde Beispiele contra praktischem Kurzhaarschnitt & Dehnbundhose hätte, werfe doch mal einen Blick auf den Blog Advanced Style von Ari Seth Cohen!    

* aus dem Buch Vom Vergnügen anders zu sein von Ute Patel-Missfeldt und Karina Albrecht

Donnerstag, 25. September 2014

WHO AM I ~ wenn Tom Schilling Popcornkino macht

Arthouse war gestern. Tom Schilling goes Multiplex. Aber da er das macht, kann man sich darauf verlassen, dass auch der Rest stimmt. Der Film zum Beispiel. WHO AM I ist ein Thriller nach bester - ich meine wirklich bester- hollywoodscher Machart. Kann mich nicht erinnern, so etwas aus deutschen Landen jemals gesehen zu haben. Rein visuell.
Was macht einen Thriller sonst noch aus? Spannung! Daher nur drei Sätze zur Handlung:
Eine Gruppe von Hackern treibt in Berlin ihren Schabernack. Benjamin (Tom Schilling) mittendrin. Liebe und verletzte Eitelkeiten tun ihr Übriges, dass aus Gaudi plötzlich Ernst wird und das Unheil seinen Lauf nimmt. Mehr sog i net. Nur: Angucken!


Sonntag, 31. August 2014

Alles Leo oder was?

Auf meinem Schwesternblog LUNARES Y SOL habe ich vor ein paar Tagen meine Liebe zu "Schildpatt" gestanden. Beim Durchblättern der Juli-MADAME bin ich dann in einer Modestrecke über ein besonderes Foto gestolpert. Ein Blouson. In Schildpatt-Optik! Cool! Von wem? Beim Versuch diese Frage zu beantworten, hat's mich allerdings gerissen. Steht doch im Kleingedruckten unter dem Bild "...Leoprint-Blouson..." Leoprint! Leoprint? Unglaublich! Ich beobachte das schon länger in den Hochglanzmagazinen: große Defizite bei der Modejournaille was Warenkunde oder textiles Fachwissen angeht. Da wird der Poncho zum Cape oder die Paspel zur Biese. Schlimm! Eine Folge des ganzen Praktikanten-Wahnsinns? Oder der miesen Bezahlung in der Branche? Vielleicht. Doch mir dünkt, es liegt noch an etwas anderem. Ich habe ja auch nicht auf der Modeschule zum ersten Mal von Schildpatt gehört. Sowas bekommt man einfach im täglichen Leben mit. Beim Durchstöbern von Mamas Kleiderschrank beispielsweise. Voraussetzung: Interesse. Haben heutige Modejournalisten kein Interesse mehr an "ihrer" Materie? An textilen Basics? Ist es mittlerweile wichtiger alle C- bis F-Promis zu kennen? Kann sein. Auf jeden Fall ein Armutszeugnis! Und eine erneute Ernüchterung. Die erste habe ich vor einigen Jahren beim Verkaufspersonal erlitten. Meine Erwartungen sind mittlerweile ganz unten - wirklich ganz unten- bei Kontakt mit jungen "Sales Agents" im textilen Einzelhandel. Aber da kann ich fachliche Unkenntnis in gewisser Weise noch entschuldigen. Vielleicht steht mir ja eine eigentliche Wurstfachverkäuferin gegenüber.
Ach der "Leoprint"-Blouson ist übrigens von Barbara Bui. Aus der aktuellen Herbstkollektion. So wie auch dieser Mantel:
© Barbara Bui

Freitag, 1. August 2014

Festival der Kulturen am 1. und 2. August 2014 in Augsburg

Alle Jahre wieder! Samstag gibt's dieses Mal Altbewährtes - Kočani Orkestar aus Mazedonien und mein Lieblings Wien-Import/Augsburg-Export, DJ Tom Wieland,- und vielversprechend Neues: die in Frankreich lebende libanesische Sängerin Yasmine Hamdan. Drei musikalische Perlen, nach persönlichem Gusto herausgesucht.
Das komplette Programm mit allen Infos findet Ihr hier.


20:15 Annahof: YASMINE HAMDAN 
22:00 Annahof: KOCANI ORKESTAR
23:30 City Club: SOUND VOYAGE ONE (Afterfestivalparty mit Tom Wieland und Niko Schabel) 

Freitag, 4. Juli 2014

Stromae ~ Jacques Brel2.0?

Stromaes Disco-Stampfer "Alors en danse" gehört 2010 bei mir zur Kategorie "Peinlicher Lieblingssong". Quasi Ablehnung und Faszination gleichzeitig.
2013 folgt das Album Racine Carrée. Funkhaus Europa liebt die Songs, liebt Stromae.
Und ich liebe Funkhaus Europa. Papaoutai, Formidable, Tous les mêmes laufen auf dem Radiosender rauf und runter. Akustisch also kein Entkommen für mich.
Als ich dann auch noch auf irgendeinem ARD-Spartensender einen kleinen Interviewschnipsel erhasche und Monsieur Van Haver "live" sehe, ist's um mich geschehen. Der Typ ist geil. Sehr geil. Und very special. Wer bitte trägt Preppy so nonchalant wie dieser belgische Rapper mit ruandischen Wurzeln?
Stromae, der neue Jacques Brel? Der oft gezogene Vergleich ist zugegeben etwas verwegen. Aber vielleicht geht Chanson heute so...

Donnerstag, 3. Juli 2014

HERBAL MOSCOW oder Matrjoschka to drink

© HERBAL MOSCOW
Wie geil ist das denn? Als alter Ginger Ale-Junkie bin ich Ingwer-Limo eh verfallen...

Mittwoch, 25. Juni 2014

MarieMarie am 27. Juni 2014 am Marienplatz in Friedberg

Meine Lobhudelei auf die außergewöhnliche Sängerin und Harfenistin habe ich ja an dieser Stelle schon vor knapp drei Monaten verfaßt. Zum deutschen ESC-Vorentscheid.
Ich bin nach wie vor der Meinung Cotton Candy Hurricane wäre mehr als right gewesen für Kopenhagen. Aber gut, ist eh rum. Die Wurst ist gegessen...
Umso mehr freue ich mich, die Dame übermorgen mal wieder live on stage bewundern zu dürfen. In ihrer "Heimatstadt" Friedberg. Open Air am Marienplatz. Los geht's um 20:30 und das Konzert ist für lau. Mein Tipp: Steckt die gesparten Pinunsen in MarieMaries Debütalbum "Dream Machine"!

Tanze, wenn Du ein Augsburger bist!

Here it is: das brandneue Augsburg-Image-Video vom hiesigen Stadtmarketing:
Nicht schlecht! Witzig und sogar ein bißchen cool! Wer hätt's gedacht? Vielleicht werde ich mit der Stadt doch noch irgendwann mal warm. Nach 34 gemeinsamen Jahren.
Das neue Kriterium eines Augsburgers erfülle ich ja immerhin schonmal...

Freitag, 6. Juni 2014

SHANTEL & Bucovina Club Orkestar am 19. Juni 2014 in der Kantine Augsburg

© Foto Matthias Hombauer via CLAXMUSIC

Juhu, der Stefan macht auf seiner ViVA DIASPORA Tour 2014 halt in Augsburg.
Im Schlepptau seine grandiose Band.
Spielen sie neu und alt, hotten wir dieses Mal zu einem wilden Mix aus Oriental-Retro-Garagenrock und Balkan-Mukke ab! Was will man mehr?
WO: Kantine (Flammensaal), Am Exerzierplatz 25a, 86156 Augsburg
WANN: 19. Juni 2014, Einlaß 20:00, Beginn 21:00
Eintritt: 22 € zzgl. Gebühren (Vorverkauf), 26 € (Abendkasse) 

Freitag, 30. Mai 2014

So bleibt Ihr auch beim Yoga schön auf dem Teppich

Die MAGIC CARPET YOGA MATS von Sophie Leininger sind ganz nach meinem Geschmack. Vielleicht komme ich auf eben diesen auch noch hinsichtlich der Übungen.
Turquoise Traditional Magic Carpet Yoga Mat

Donnerstag, 22. Mai 2014

ROMANI DESIGN ~ alles Ungarn oder was?

Foto ROMANI DESIGN via Facebook
Keine Ahnung, was das bedeuten soll. Aber irgendwie schwingen zwischen Ungarn und mir momentan special vibrations. Was Ende März bei einem Familienfest mit einem höchst amüsanten Czárdás-Tänzchen begann, setzte sich mit den zwei Etsy-Entdeckungen Kalocsa Art Store und Stilettodress fort. Was wiederum Spuren in meinem Kleiderschrank hinterließ. ... und Schuhschrank,... räusper. Diese Woche läutete Vintys das "Accessoires-Special" ein. Und, was ziehe ich als erstes aus der Tücherkiste? Budapest-Motive auf hundert Prozent Seide. Wo mich eben diese Stadt sowieso schon seit Tagen verfolgt. Als Ohrwurm von George Ezra.
Vorgestern lande ich schließlich beim Zappen in einer TV-Reportage auf ZDFinfo. Zwei Köche aus Deutschland auf kulinarischer Entdeckungstour bei Ungarns Roma. Die ansonsten eher belanglose Doku hatte ein Highlight: der Besuch bei Designerin Erika Varga in - logo- Budapest. Die gelernte Goldschmiedin will mit ihrem Label ROMANI DESIGN das textile Erbe der Roma antreten und bewahren. Das hindert sie aber nicht daran, aus den knallig bunten Röschen-Stoffen und Tüchern komplett Neues zu kreieren. Sogar Schmuck. Zielgruppe ist zum einen die modeinteressierte Roma, wie auch die hippe Großstädterin. Hin und wieder "verirrt" sich sogar ein normaler Budapest-Touri in ihren Laden. Oder ein deutsches Kochteam... Erika ist übrigens sehr erfolgreich mit ihrem Business. So wurde sie 2012 von der ungarischen Ausgabe der Zeitschrift Glamour zur Woman of The year gekrönt.
Leider ist mein Ungarisch mit közsönöm und egeszegere schon am Limit und ich verstehe in den Videos rein gar nichts. Aber Bilder sagen bekanntlich... und so weiter und so weiter:

Freitag, 16. Mai 2014

Der 80er-Flashback mit MANDO DIAO

Liebe auf den ersten Ton. Ich fühl mich sofort wie ein Teenie. 1984. Schulball.
A Flock of Seagulls. Mr. Roboto. Ach nee, da läuft ja nur "Black Saturday" im Radio. Danke, MANDO DIAO, Danke!

Donnerstag, 15. Mai 2014

Cath Kidston ~ mit Rosen auf Reisen


Wenn nicht schon mein Anna dello Russo-Traum auf Rädern in der Diele stehen würde, ginge noch heute eine Bestellung gen Grossbritannien raus.
Cath Kidston hat sich bei diesen Trolleys mal wieder selbst übertroffen. In puncto Design. Nur die Funktionalität läßt - zumindest bei der kleineren  Business-Variante- etwas zu wünschen übrig, wenn man der Bewerterin Glauben schenken mag.
Gut, für einen Preis von 138 €, sollte das Drumherum natürlich auch passen...
 alle Fotos, © Cath Kidston

Mittwoch, 14. Mai 2014

GIPSY DANCE CARAVAN 25. - 27. Juli 2014 in Augsburg

Wer mal richtig in die Tanzwelt der osteuropäischen Roma eintauchen will, hat am 26. und 27. Juli die Gelegenheit dazu. Katjusha Kozubek und Anna Debicka von der ROMANY DANCE SCHOOL kommen mit ihrem Workshop-Projekt GIPSY DANCE CARAVAN ins Augsburger Tanzstudio von Sabuha Shahnaz.
Vier Workshops stehen auf dem Programm. Mit verheißungsvollen Namen wie "Trapatshok" und "Maminka".

Wer lieber guckt als tanzt, kann die Damen am Vorabend live on stage und open air bewundern.
Bei der "Gypsy Oriental Night" am 25. Juli mit
Katjusha Kozubek, Anna & Natalia Debicka als Trio PHENJORIPE. Unterstützt werden sie von Sabuha und ihrer Assaida-Gruppe. Ab 20 Uhr im Hubertushof in Augsburg-Firnhaberau. Alle weiteren Infos zu den Workshops gibt's bei Sabuha Shahnaz.

Montag, 12. Mai 2014

Irregular Choice & Dollface ~ de Handetasche musse lebendig sein reloaded

Die Matrjoschka sieht ein bißchen aus, als ob sie im Blumentopf sitzt.
Trotzdem süß, oder?
Tasche "Dollface" in rot und schwarz © Irregular Choice

Freitag, 9. Mai 2014

ESC 2014 ~ morgen geht's um die Wurst

Jetzt hätte ich durch meine Euphorie für die Niederlande und Polen fast unser südliches Nachbarland vergessen. Wie kann ich Conchita Wurst unerwähnt lassen?
Mein Gott, hat Tom schön geschmachtet und sich die Seele aus dem Leib gesungen. Wenn das Samstag genauso rüberkommt wie gestern, dann könnte das schon was werden.
Mit der "Bond"-Ballade. Für Österreich.

Dienstag, 6. Mai 2014

Eurovision Song Contest 2014 ~ Ein Hoch auf die slawische Frau und den holländischen Country

Alle ESC-Songs schon kennen, bevor die Finalwoche startet. Mittlerweile ein Muss für jeden eingefleischten Grand Prix-Fan. Habe daher letztes Wochenende brav meine "Hausaufgaben" gemacht und mich durch alle Lieder gezappt.
Fazit: Richtig unterirdisch ist wenig. Die Beiträge aus Lettland und Georgien gehen gar nicht, aber ansonsten kann man nicht meckern. Halt viel Althergebachtes und Auf-Nummer-Sicher-Geher: die vielen Balladen und "David Guettas". Dass Pharell Williams der neue David Guetta ist, hat sich leider noch nicht herumgesprochen.
Nicht bei den Machern und Kompositeuren. Und - deren Kalkül- auch noch nicht bei der mazedonischen Hausfrau. Wenn sie sich da mal nicht irren...

Italien bekommt von mir Sonderpunkte für das gelungene Video zu La mia Città.
Im besonderen für Emma Marrones Topolino-Ohren. Das Lied ist auch okay, wobei nicht sonderlich ESC geeignet. Das ist der niederländische Beitrag der Common Linnets auch nicht. Country kam noch nie an. Doch mich hat die wunderschön melancholische Everly Brothers-Atmosphäre von
"Calm after the storm" sofort in den Bann gezogen.
Mein absoluter Lieblingssong dieses Jahr. Quasi meine "Soluna Samay 2014".
Dass Dänemarks Should've known better 2012 letztendlich nur Platz 23 belegt hat, sagt hoffentlich nichts über meinen Geschmack aus, über dessen ESC-Mainstream-Tauglichkeit wohl schon. Daher stapel ich dieses Jahr mit den Niederlanden mal lieber tief und freue mich schon, wenn The Common Linnets überhaupt das heutige Halbfinale überstehen. Ansonsten feiern wir dieses Jahr 40 Jahre ABBA und 20 Jahre "Osterweiterung". Ersteres bescherte uns aktuell eine Menge guter, neuer ABBA-Dokus, letzteres zwei Jahrzehnte Diskussionen zur Frage: Lokalkolorit - ja oder nein? An dem Thema "Folklore" scheiden sich die Geister. Ich mag's einfach, wenn Mazedonien Balkan "ist" und nicht David Guetta. Wie man es richtig macht zeigt dieses Jahr Polen. Folklore kann auch cool. Man nehme den bekannten Hip-Hop-Prozenten Donatan, die (noch) unbekannte Soulsängerin Cleo und polnische Weisen. Ergebnis: "Slavic Girls", eine "Ode" an die slawische Frau. Ein Schelm, wer dabei Stimmenfishing in ganz Osteuropa unterstellt. Das dazugehörige Video hat mittlerweile 42 Millionen Klicks bei Youtube. Überhaupt, das Video. Eine herrlich komische Persiflage gängiger R'n'B-Klischees. Statt halbnackter Afroamerikanerinnen mit fast nackten Pos
, räkeln sich hier tief dekolletierte "slawische Mädels" im Butterfass. Köstlich!

Mittwoch, 23. April 2014

Stilettodress ~ ungarische Folklore für den Absatz

Schonmal vom Stilettodress gehört? Das sind quasi Überzieher aus Stoff um Hohe Hacken zu verschönern. Da die Firma Stilettodress aus Budapest stammt, gibt's zu meiner Freude auch wunderschöne folkloristisch angehauchte Modelle. Ich mußte mich nur noch entscheiden, ob's lieber Matyo- oder doch eher Kalocsa-Stickung sein sollte. 
Hoffentlich passen die Dinger auch über meine Blockabsätze.
Obwohl allein die Größe meiner Schuhsammlung anderes vermuten läßt, muß ich beim Thema Stilettos nämlich passen...
Stilettodress schwarz mit Matyo-Stickung - Foto © Stilettodress
Stilettodress weiß mit Kalocsa-Stickung - Foto© Stilettodress

Freitag, 28. März 2014

Let's sweat mit Matrjoschkas aus Warschau

Bedruckte Sweatshirts sind immer noch "le dernier cri". Kombiniert mit classy Unterteilen wie Bleistiftröcken oder Culottes, versteht sich. Was gefühlt mit dem Kenzo-Tiger 2012 begann, zieht sich also modisch schon durch ein paar Saisons und ein Ende ist so schnell nicht in Sicht. Heute habe ich mein Modell gefunden.
Beim polnischen Etsy-Shop namens Mr. Gugu & Miss Go:
© Mr. Gugu & Miss Go

Donnerstag, 20. März 2014

H&M Conscious Exclusive Collection 2014 ~ viel besser geht's nicht

H&M hat sich selbst übertroffen. Die neue Conscious Exclusive Collection ist phänomenal geworden. Nach der Herbstkollektion von 2011, die ich mehr oder weniger komplett im Schrank hängen habe, gibt's von mir zum zweiten Mal die volle Punktzahl.
Statt 40er Jahre und schwedischer Folklore geht's dieses Mal stilistisch Richtung Bohème und Corrida. Eine Prise Dolce & Gabbana-Sicilia-Glamour meine ich auch auszumachen. Unterstützt wurden das schwedische Designteam von Elizabeth von Guttman und Alexia Niedzielski, ihres Zeichens Gründerinnen von Ever Manifesto, einer Denkfabrik zum Thema Nachhaltigkeit & Mode.
Zu kaufen gibt's die Kollektion, für die zum erstem Mal neben diversen Recycling-Materialien auch Bio-Leder verwendet wurde, ab 10. April in ausgewählten Filialen und im Online-Shop. Wenn jetzt noch die Haptik hält, was die Fotos versprechen, dann muß ich meine Shopping-"Einbahnstraße" Richtung ASOS wohl doch überdenken. Denn bis dato wurde ich nicht müde zu sagen, dass mir H&M die letzten Saisons zu langweilig und belanglos geworden ist. Die Kataloge entlocken mir nur noch ein müdes Gähnen und selbst das Konzept "Trend" -früher Garant für Innovation- hat den Namen eigentlich nicht mehr verdient. Eigentlich. Denn was interessiert mich mein Gerede von gestern?
Schaut Euch diese Prachtstücke an:
 

Mittwoch, 12. März 2014

Magic Carpet Ride

... so hieß meine Abschlußkollektion an der Modeschule.
Vom Teppich zu Chaps, zum Mantel, zum Kleid:
Magic Carpet Ride,  © Foto: Jan Bürgermeister
Das war 1996. Seitdem begegnet mir diese Transformation in schöner Regelmäßigkeit.
So stöckelte selbst unser alltime favourite TV-It-girl SATC-Carrie Bradshaw in einer der ersten Staffeln in einem Teppich-Tiger-Kleid über New Yorks Straßen.

Diesen Winter bin ich sogar zweifach über das Thema gestolpert.
Damit kommen wir auch gleichzeitig zu meiner neuesten Design-Entdeckung: TWINS by Begović & Štimac. Damir Begović und Domagoj Štimac haben mit ihrem Label TWINS bei den Elle Style Awards in ihrem Heimatland Kroatien 2013 den Nachwuchsdesignpreis eingeheimst. Für ihre allererste (!) Kollektion. Die beiden Ex-Studienkollegen sind ein eingeschweißtes Team. Twins im Geiste, aber auch optisch. Für Herbst-Winter 2013/2014 haben sie sich von Marc Twains "Der Prinz und der Bettelknabe" inspirieren lassen. Und jetzt kommen die Teppiche ins Spiel. Beige-braun, floral und leicht shabby. Leuchtend bunt mit Pfau und Hirsch. Arm und Reich nach TWINS'schem Modeverständnis. Kitschige Wandtteppiche, wie man sie immer noch in vielen Häusern auf dem Balkan oder im Orient sieht, wurden zu prachtvollen Bustiers, Hosen, Kleidern und Mänteln umgearbeitet. Alles sehr couturig. Dass Dolce & Gabbana die Vorbilder der beiden Designer sind, sieht man. Und das ist auch gut so. Das blaue Cape mit Pfau habe ich zu meinem persönlichen Liebling erkoren. Ich überlege immer noch, ob das Teil in meinen Kleiderschrank muß.
Übrigens selbst unsere kroatische Afrika-Paprika-ESC-Queen Severina liebt die Kollektion der beiden Jungs. Severina im Teppichmantelkleid on stage.
Ajde! Ajde!
Nur eins: Die Näherinnen beneide ich definitiv nicht. Zwei permanent verrutschende Teppichteile nahttechnisch verbinden zu wollen ist -einfach gesprochen- HÖLLE!
Mein persönliches Näh-Trauma...
Lookbook "THE PRINCE AND THE PAUPER", TWINS by Begović & Štimac
Lookbook "THE PRINCE AND THE PAUPER", TWINS by Begović & Štimac
Von Zagreb ins Londoner East End. Das Homeware-Label House of Hackney hat sich diesen Winter dem Perserteppich verschrieben. Die Kollektion MEY MEH greift das Muster eines antiken Exemplars auf und ziert als Druck eine riesige Produktpalette.
Das reicht vom Paravent über Lampenschirme bis hin zum langen Bodycon-Kleid und einem Sweat-Zweiteiler. Wunderschön! Aber wieso auch Kleidung? Seit das britische Interiordesign-Haus
2012 für den New Yorker Kultstore Opening Ceremony seine erste Modekollektion entworfen hat, sind die Londoner wohl auf den Geschmack gekommen.
© House of Hackney
Vielleicht sollte ich mich auch an eine Fortsetzung wagen. Magic Carpert Ride reloaded...
Leider fliegt Maike Winnemuth nicht mehr für das SZ-Magazin um die Welt und erledigt Leseraufträge. Sonst hätte ich sie in den Irak geschickt. Nach Erbil. Im dortigen Souk hätte sie für mich shoppen müssen bis zum Umfallen. Bei dem Teppichhändler hier...
Magic Carpet Ride, © Foto: privat

Samstag, 8. März 2014

Happy Weltfrauentag allen Ladies!

... wünscht auch Ulyana Sergeenko und ihr Team mit dieser wunderschönen Grafik:
Ulyana Sergeenko via Facebook

Freitag, 7. März 2014

Schicken wir MarieMarie nach Kopenhagen!

© Facebook MarieMarie
Der Sinn einer Vorgruppe hat sich mir noch nie so ganz erschlossen. Soll diese doch das Publikum für den Headliner anheizen. Funktioniert nur nicht, wenn zwischen Vorband und Hauptact eine dreiviertel Stunde ermüdender Bühnenumbau klaffen.
Außerdem wundere ich mich immer wieder, wen das Management so zusammenwürfelt, sollten beide Acts doch zumindest die gleiche Musikrichtung bedienen. Und zu guter Letzt steht man sich durch das Vorprogramm 90 Minuten zusätzlich die Beine in den Bauch.
Beim Bryan Ferry-Konzert letzten Juli auf dem Münchner Tollwood war alles anders.
Nix Beine in den Bauch, es war bestuhlt. Erwartet wurde Mister Ferry mit seinem 20er-Jahre Orchester, sprich es sollte etwas gediegener werden. Dann kam MarieMarie. Habt Ihr noch die Frisur der Sängerin der 80er-Band Thompson Twins vor dem geistigen Auge? Die hochtoupierten Locken mit dem seitlichen Undercut? Mit Harfe im Arm und zwei Musikern an ihrer Seite legte Thompson-"Sister"-Look-alike MarieMarie los.
Es dauerte gefühlt 10 Sekunden und die drei hatten das Publikum auf ihrer Seite.
Kein Anstandsapplaus, die Leute waren restlos begeistert. Ich eingeschlossen. Die Musik: Sehr speziell, aber trotzdem sofort eingängig. 80er angehauchter Elektro-Pop trifft Sally Oldfield. "Cotton Candy Hurricane" blieb mir sofort im Ohr. Auch noch Tage nach dem Konzert. Einem Bryan Ferry-Konzert wohlgemerkt. Nichts gegen Bryan. Er war klasse, seine Band nicht weniger, aber der eigentliche Knaller war MarieMarie.
Dass "Cotton Candy Hurricane" Hitpotential hat, blieb auch den Machern des diesjährigen ESC-Vorentscheids nicht verborgen. Und so ist MarieMarie nächsten Donnerstag dabei. Sogar noch mit einem zweiten Song, der Ballade "Candy Jar".
Auch sehr schön, aber "Cotton Candy Hurricane" hat ähnliches Ohrwurm-Mitwipp-Potential wie Lenas "Satellite". Und das wären ja schonmal beste Voraussetzungen für Kopenhagen.
Also biiiiitte, ruft am 13. März fleißig an und schickt diese talentierte Lady zum Finale nach Dänemark!
Und wir, also wir Augsburger und da zähle ich jetzt die Friedberger natürlich mit dazu, müssen schon rein aus Lokalpatriotismus zum Hörer greifen, war die Sängerin doch bis vor kurzem eine Hiesige...

Donnerstag, 6. März 2014

Kreiert Euch Eure eigene Matrjoschka!

Das darf ich hier natürlich niemandem vorenthalten:
ein DIY-Matrjoschka-Kit von ASOS bestehend aus 5 Holzpüppchen, Pinseln und Farben. Krasiva!
© ASOS

Mittwoch, 26. Februar 2014

Deerberg hat die passende "Olympiahose"

© Deerberg
Liebes Bogner-Design-Team, so hätte der Blümchendruck aussehen müssen.
Dann hätte die Hose hervorragend zu Eurem Streifenmuster gepaßt...

Freitag, 21. Februar 2014

Folklore für die Füße

Wenn ich doch nur auf solchen Teilen laufen könnte. Die Angst vor Bänderriss-durch-Umknickmanöver würde mich jedoch auf Schritt und Tritt verfolgen.
Aber schee san's scho...
© ASOS

Montag, 17. Februar 2014

New York Fashionweek 2014/2015 ~ Vivienne Tam liegt vorn

Meine Lieblingskollektion kann ich zum Ende der jeweiligen Fashionweek ganz leicht ausfindig machen. Ich muß nur gucken, von welchem Designer ich die meisten Bildchen in den neu angelegten Explorer-Saison-Ordner geschoben habe. Führend momentan: Vivienne Tam.
Die New Yorker Modewoche ist ansich nicht so meins. Wie auch die Berliner. Richtig Neues ist selten zu sehen. Es fehlt die Kreativität. Oder zumindest die Traute. Auch diese New Yorker Fashion Week für kommenden Herbst-Winter war für meinen Geschmack recht mau. An Ideen.
Tragbar halt, aber will ich Tragbares auf einem High Fashion-Catwalk sehen? Eher nicht.
Außer, ja außer das Ganze trifft total meinen Nerv. Das klappt entweder mit allem Romantisch-Folkloristischen. Oder mit einer Hommage an die modischen Endsiebziger, die ja insich eine Reminiszenz der Vierziger sind. Bei Midiröcken, Schluppenblusen, Capes, Blockabsätzen und Pelzkrägen werde ich schwach.
Insofern hat Vivienne Tam alles richtig gemacht. Nappallederröcke in oxblood, Midilänge und A-Linie. Taillenhoch und mit Kellerfalte. Pelzschals. Rollis. Wunderschöne, weich fließende Overalls mit Volants und weiten Hosenbeinen.
Wandmalereien der chinesischen Mogao-Grotten lieferten die Inspiration für die Seidendrucke der Blusen und die Muster der Häkelspitzen und Klöppeleien.
Die 70ies-Silhouetten harmonieren perfekt mit den vielen Spitzenornamenten.
Gehäkelte Zweiteiler waren schließlich vor 35 Jahren auch schonmal le dernier cri.

Sonntag, 16. Februar 2014

Indila "Dernière dance" ~ Balsam für die Ohren

Normalerweise nervt es mich auf youtube gewaltig, wenn ich erstmal ein 20 sekündiges Werbefilmchen über mich ergehen lassen muß, bevor ich meinen eigentlichen Video-Wunsch zu Gesicht bekomme. Gnädigerweise darf man ab und zu schon nach 5 Sekunden zum Wunschfilm wechseln.
Ich wollte also gerade -wie in solch einem Glücksfall üblich- auf "Überspringen" drücken, da hielt mich etwas zurück: die ersten Töne einer sehr besonderen Stimme und die ersten Klänge eines sehr außergewöhnlichen Songs: Indilas "Dernière Danse". Die 24-jährige Französin mit algerisch-kambodschanischen Wurzeln war bisher im R'n'B-Bereich unterwegs.
Doch "Derniére Dance" ist eindeutig Pop: ein wunderschön melancholisches Chanson. Ein bißchen retro. Etwas Pathos. Eine Prise Exotik Dank Indilas arabisch angehauchter Klangfarbe.
Was für eine Entdeckung! Danke, youtube! ;)


Freitag, 7. Februar 2014

BRECHT NACKTREVUE am 7., 8. und 9. Februar 2014 im City Club Augsburg


Wenn die erotischen Jugendgedichte von Bert Brecht quasi zum Leben erweckt werden, dürfte das heiter werden. Obszön und derb sicherlich auch.
Bluespot Productions, die Künstler-Truppe rund um Christina Maria Pichler lädt zur BRECHT NACKTREVUE in den City Club Augsburg:


"Wir befinden uns im Augsburg der 20er Jahre. Zigarrenrauch, leise Pianoklänge, eine Garderobe voller schöner Mädchen, Strapse blitzen hervor, nackte Tänzerinnen räkeln sich hinter Milchglas, Orangenmädchen verkaufen Absinth, und eine erfahrene Fohse (Brechts Kunstwort für Fotze) erteilt  ihren jungen Kolleginnen Ratschläge über die Verführung von Männern und Engeln. Tänzerinnen versuchen ihre verderbte Unschuld rein zu waschen, während ein junges Mädchen die ihre im Showbusiness der 20er Jahre verliert. Damen sinnieren über den durchschnittlichen Beischlaf, während ein Stummfilm die Keuschheitsballade in Dur singt. Und mittendrin: zwei engumschlungene Menschen, die ihre Körper aneinander pressen möchten, aber nicht wissen wie. ..."
(aus der offiziellen Programmbeschreibung)
Wer für eine der regulären Vorstellungen am Freitag und Samstag keine Karten mehr bekommen hat, darf sich freuen: Es wurde für Sonntag 18 Uhr noch eine Zusatzvorstellung anberaumt.
Ich bin ja wirklich gespannt wie ein Flitzebogen. Nach der befremdlichen Atmosphäre beim literarischen 20er Jahre Tanztee in der Haag-Villa letzten Sonntag, bin ich versucht, meine Erwartungen ganz nach unten zu schrauben. Aber Dank des göttlichen Flyer-Designs von Nontira Kigle und der schönen Fotos von SCISSABOB bin ich schonmal leise optimistisch...

Sonntag, 2. Februar 2014

Pantoffeldiva & Schürzenliesl ~ Trachtenstyle für dahoam und dadraußn

Vor dem Ausflug zu Susanne Bisovsky in die österreichische Hauptstadt machen wir noch einen kurzen Abstecher in heimische Gefilde. In die Oberpfalz. Zu Filzpantoffeln mit Edelweiß und Dirndlschürzen mit Bambis. Hinter den Marken Pantoffeldiva und Schürzenliesl verbirgt sich ein und dasselbe kreative Mastermind: Jeannette Hamleh.
I
m Schwabenländle aufgewachsen, wohnt und arbeitet die Designerin und Unternehmerin seit einigen Jahren im oberpfälzischen Bodenwöhr. Die Mutter zweier Söhne war als gelernte Schneiderin und studierte Modedesignerin zuerst an der Staatsoper in München beschäftigt und später im Design einer bekannten Kindermodenfirma tätig. Aber immer nur Handlanger für andere sein? Tolle Entwürfe raushauen, doch die Lorbeeren erntet die vorgesetzte Chefdesignerin? Nö! Eigene Ideen verwirklichen, ihr eigener Chef sein! Das war immer schon Jeannettes Traum. Was vor einigen Jahren mit allerlei verzierten Filzpantoffeln begann, ist mittlerweile zu einem kleinen Trachten-Accessoires-Imperium gewachsen.
Da wären die besagten Dirndlschürzen mir herrlich kitschigen Fotodruckmotiven und wahlweise aufgehübscht mit dicken Fuchsschwänzen. Damit die hohen Hacken beim Wiesenbesuch mal zuhause bleiben können, hat die "Pantoffeldiva" nun auch das passende Schuhwerk für die Ladies im Angebot. Da gibt es zum einen Chucks in diversen Farben und Ausführungen sowie -mein favourite- handgefertige Folklore-Stiefel aus Velour made in Turkey. Ob bunt bestickt oder Ton-in-Ton in wunderschönen Herbstfarben.
Perfekt zum Dirndl. Bayern-Balkan-Crossover. Sozusagen Brassbanda zum Anziehen...
Klassischer aber nicht minder schön ist Jeannettes neuester Coup. Edle Ballerinas aus hochwertigem Kalbsleder. Mit alpinem Nostalgie-Medaillon auf der Schuhspitze und gedrucktem Hirschkopf an der Ferse. Wenn die kein Verkaufshit werden, weiß ich auch nicht. Bin gespannt, mit was uns die "Pantoffeldiva" bzw. "Schürzenliesl" die nächsten Jahre noch so überrascht! Zu erwerben ist die gesamte Kollektion im hauseigenen Online-Shop und bei ausgewählten Händlern.
 

Dienstag, 28. Januar 2014

H&M Fashion Award 2014 ~ die Würfel sind gefallen

Endlich wurde das Geheimnis gelüftet: der Franzose Eddy Anemian hat die Jury überzeugt und durfte seine Kollektion heute Vormittag auf der Stockholmer Fashion Week präsentieren. Der Publikumspreis ging an die Niederländerin Henriette Tilanus.
Meine Wahl wäre auf Sophie Sälekari gefallen. Die Finnin liebt es bunt gemustert und bringt Kunst auf Stoff. Und verhehlt dabei ihre russischen Wurzeln nicht. Krasiva:

Freitag, 24. Januar 2014

Bogners Olympiakollektion ~ was einzeln gefällt, geht zusammen in die Hose


"...bunt, fetzig..." kommentiert angehender Olympionike Daniel Bohnacker Willy Bogners neueste Kollektion für die Deutsche Nationalmannschaft. "Fetzig" höre ich normalerweise nur aus Mündern von Diddelmäuseliebhaberinnen und ist für mich  -ebenso wie "nett"- die kleine Schwester von Sch...
Bunt ist sie, die Kollektion. Da wären einerseits die gestreiften Jacken in Weiß-Gelb-Türkis-Grün. Eine Hommage an den Austragungsort Sochi: Weiß für die schneebedeckten Berge und Gelb-Türkis-Grün für die mediterrane Stimmung am Schwarzen Meer. Soweit, so gut.
Als zweites Muster entwarf das Bogner-Designteam einen Rot-Pink-Orangenen Rosendruck, angelehnt an russische Folklore-Motive. Gibt's als Skihose, Strickmütze und Schal. Soweit, so wunderschön. Total meins!

Aber jetzt kommt's: Während die Männer weiße Hosen zu den Streifenjacken tragen, was hervorragend paßt, kombinieren die Sportlerinnen beides, also Streifen und Rosen. Das sieht einfach nur sch... aus. Fetzig eben ;)
Es gibt eine eiserne Styling-Regel beim Kombinieren verschiedener Muster:
Bleib in einer Farbfamilie!
 
 
alle Fotos ©  Bogner

Freitag, 17. Januar 2014

Wie altert man in Würde oder was Die Toten Hosen und Die Ärzte mit Wolfgang Joop und Karl Lagerfeld zu tun haben

Hätte Campino auf sein Bauchgefühl vertraut und nicht auf andere gehört, wäre der kommerzielle Erfolg und das Mega-Comeback der Toten Hosen wohl ausgeblieben. Dafür wäre der Coolness-Faktor der Band nicht ins Bodenlose gefallen. In meinen Augen.
Da ist der Song Tage wie diese.  Die Legende besagt, dass Campino den Song eigentlich nicht mal für albumwürdig hielt, die Schauspielerin und enge Vertraute ;) Birgit Minichmayr die Jungs aber dazu überredete, das Lied sogar als Single auszukoppeln. Schlageresque und einfältig. Mehr fällt mir zu dem Song nicht ein. Gassen… Rheinterrassen. Also bitte! Kreativ ist anders. Und das war mal anders:
In den 8oern mußte man sich als Teenie entscheiden. Ernie oder Bert. Geha oder Pelikan. Ärzte oder Tote Hosen. Ich schrieb nur mit Pelikan-Füllern, ansonsten mochte ich sowohl Ernie und Bert als auch die Ärzte und die Hosen. Als Punk-Waverin  -da waren in der Augsburger Szene die Grenzen fließend-  war man "anti". Regeln waren dazu da sie zu brechen. Dazu gehörten für mich aber auch die Regeln der Szene selbst. Ich trug weder Kreuze um den Hals, noch hielt ich mich an das ungeschriebene Fun Punk-Gesetz, entweder der Düsseldorfer oder der Berliner Fanbase anzugehören. Ich mag die Ärzte seit Anneliese Schmidt (nicht nur, weil meine Oma so heißt…) und Teddybär - also quasi seit Bandgründung- und pogte 1984 aber auch zu Hosens Liebesspieler.
Fand sowohl Campino als auch Bela B. lecker.
Beide Bands trafen mit ihrer Musik exakt meinen Nerv und mein Lebensgefühl. Die Texte waren entweder gaga (Eisgekühler Bommerlunder, Gehn wie ein Ägypter) oder politisch bzw. gesellschaftskritisch (Hier kommt Alex, Schrei nach Liebe). Im Kampf um den Thron für beste deutsche Band, schenkten sich die beiden nichts. Die angeblich Beste Band der Welt und die Punkrocker vom Rhein.

Doch 30 Jahre später ist alles anders. Die Toten Hosen bringen Plattitüden heraus wie "Tage wie diese" oder -schlimmer noch- nerven mit fast weinerlichem Rückbesinnen auf die "guten alten Zeiten" wie in Das ist der Moment. Habt Ihr sonst nichts mehr zu sagen? Wo ist der alte Punk-Spirit geblieben? Die Provokation? Eure Lässigkeit?
Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo González hingegen zeigen, wie man’s richtig macht. Sie sprudeln immer noch vor neuen Ideen und scheinen vor allem ein Motto zu haben: NEVER LOOK BACK.
Wenn doch, dann bitte ironisch: Ist das noch Punkrock?
Ist es der Grad der Kommerzialität, der über den Grad der Authentizität entscheidet? Beide Bands sind überaus erfolgreich, was für manche Kritiker eh ein Widerspruch zum Punk ist. Für mich nicht. Über die Glaubwürdigkeit entscheidet der Künstler selbst. Mit seinem Werk. Auch wenn es Millionen kaufen, kann es Punkrock sein. Wichtig ist nur die Haltung, die dahinter steht. Und die ist für mich bei den Toten Hosen nicht mehr spürbar.
Gleiches Phänomen, andere Branche. Man nehme die deutsche Mode und betrachte die beiden alten Recken der deutschen Designlandschaft: Karl Lagerfeld und Wolfgang Joop. Ich werde den TV-Fremdschäm-Moment nicht vergessen. Wolfgang Joop (69), den ich als Designer -vor allem für Wunderkind- sehr schätze, war 2010 für artes Durch die Nacht mit… Bill Kaulitz unterwegs.
Und versuchte verzweifelt, den 45 Jahre jüngeren Tokio Hotel-Sänger permanent in Hipness zu übertrumpfen, schwadronierte allerdings nur von "früher". Joop sah nie älter aus als bei diesem kläglichen Versuch jung zu wirken. Karl Lagerfeld dagegen, der letztes Jahr seinen (angeblich!) 80sten Geburtstag "feierte", wirkt dagegen wie ein junger Hupfer. Liegt‘s an dessen Motto?
"Nicht das, was ich erreicht habe, interessiert mich, sondern das, was noch vor mir liegt."